Berlinale-Stimmung in Wurzen

Leipziger Volkszeitung :: Februar 2007 :: Frank Schubert

Zur ersten Vorstellung des Independent-Streifens „Sikumoya der schwarze Nazi“ kamen am Freitag auch Regisseur und Hauptdarsteller ins Kultur- und Bürgerzentrum D5. Nach der Vorführung diskutierten die Besucher noch lange über die Groteske zum Thema Rassismus.

Zumindest das Schlussbild des Films verfehlt seine Wirkung nicht: „Arbeit für Deutsche“ steht auf den Plakaten, an denen der kongolesische Flüchtling Sikumoya Voigt mit seiner deutschen Freundin vorbeifährt. In seinen Taschen 8000 Euro, die er aus der Kasse der „Nationalen Partei Ost“ geklaut hat. Und von den Wahlplakaten der NPO schaut nicht etwa Parteichef Huber, sondern - Sikomoya, der schwarze Nazi. Einem Zuschauer gefällt dieses absurde Motiv so gut, dass er es am liebsten mit nach Hause nehmen würde. Regisseur Karl-Friedrich König muss ihn jedoch enttäuschen: Das Plakat gibt es so leider nur im Film.

Der 55-minütige Streifen erzählt von einem Schwarzafrikaner, der kurz vor der Einbürgerung steht und nach einem Überfall durch rechte Schläger selbst zum Nazi wird. Er hält sich für einen besseren Deutschen als die jugendlichen Säufer und will unbedingt in die NPO eintreten. Wie sich die Geschichte weiter entwickelt, verfolgten am Freitagabend im D5 etwa 40 Besucher, darunter auch Schüler aus Brandis und Falkenhain.

Außer Karli König haben auf Einladung des Netzwerks für Demokratische Kultur e.V. (NDK) auch Hauptdarsteller Kalemba Mukumadi aus Jena und weitere Mitglieder der studentischen Filmgruppe CinemAbstruso den Weg nach Wurzen gefunden. Als sie auf dem Domplatz ankommen, stehen dort schon einige bekannte Rechte. Zwei von ihnen setzen sich kurz in den Kinosaal, verlassen den Kulturkeller jedoch noch vor Beginn der Vorstellung.

Während der Dreharbeiten im vergangenen September bekam es das kleine Filmteam mehr als einmal mit der Polizei zu tun, erzählt der Regisseur nach der Vorführung. „Einige Anwohner dachten wohl, da wird tatsächlich ein Schwarzer von Nazis durch die Stadt gejagt.“ Von den bisherigen Reaktionen auf den Film sind die CinemAbstruso-Leute positiv überrascht. In Wurzen gibt es auch ein wenig Kritik, unter anderem am plötzlichen Ende des Films. „Anfangs sollte es nur ein Kurzfilm werden“, sagt Karli dazu. Doch dann habe sich die Geschichte verselbständigt und immer größere Dimensionen angenommen.

 

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