Kein Wasser am weißen See

Leipziger Volkszeitung :: Mai 2006 :: Jens Bengelstorf

Als Karl-Friedrich König noch klein war, hatte die Familie keinen Fernseher. Deshalb ging er mit seinem Bruder Tilman und der Mutter oft ins Kino, wo sie Filme von Rainer Werner Fassbinder sahen. Heute machen Karl-Friedrich (23) und Tilman (26), beide Studenten an der Leipziger Uni mit der Filmgruppe “Cinemabstruso“ selbst Filme. Sechs sind bereits abgedreht, vom Märchen bis zum Psychothriller.

Die beiden Brüder sind der Kern der Filmgruppe. Sie schreiben Drehbücher, führen Regie, kümmern sich um die Produktion und haben mit ihrer Arbeit schon mehrere Preise gewonnen. Dass sie bisher kaum Filmförderung erhalten, stört die beiden offenbar nicht: „Für uns ist es zuallererst wichtig, dass wir Filme drehen. Wir planen einen Film und drehen ihn dann auch, ob mit 5000 oder 50.000 Euro“, sagt Karl-Friedrich.

Das Organisationstalent der Brüder ist gefragt, wenn es gilt, die Mitarbeiter und Schauspieler zu koordinieren. „Bei unseren Dreharbeiten kommt es schon mal vor, dass

Wir unseren Leuten 16-stündige Arbeitstage abverlangen müssen“, erklärt Karl-Friedrich. Der Vorteil für die Darsteller sei, dass sie bei Cinemabstruso auch große Rollen spielen und sich so für andere Engagements empfehlen könnten.

Für ihren neuen Film „Der Weiße See“ bezog das Team Quartier auf einem alten Bauernhof bei Jena. Geschlafen wurde in Zelten, es gab kein fließend Wasser und keinen Strom. So war es nach Ansicht der Regisseure einfacher, sich in die Verhältnisse hineinzuversetzen, in denen der Film spielt. Sie beschreiben den Streifen als „experimentellen Märchenfilm “in mittelalterlicher Umgebung“.

Das Konzept von Cinemabstruso ist „Film stärker als Kunst zu begreifen und trotzdem inhaltlich etwas rüberzubringen, etwas auszusagen“. Anregungen holen sich die Brüder beim Studium. Beide studieren Soziologie, Karl-Friedrich außerdem noch Ethnologie, Tilman hat noch Japanologie gewählt. „Organisationstalent und die nötige Gelassenheit haben wir von unseren Eltern mitbekommen“, sagen beide. Dem gestrigen Abend sahen sie mit Lampenfieber entgegen. Denn da war für 20 Uhr in der Schaubühne Lindenfels die Premierenvorstellung von „Der weiße See“ angesetzt.

 

 

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