Fernziel Japan

student! :: Dezember 2004 :: Kathleen Schlüter

Neue Cineastische Abstrusitäten: Die aktuelle Produktion feiert am 16. Dezember Premiere

In Leipzig sind die Menschen filmbegeistert, das haben wir am Dokfilmfestival gesehen und an den Französischen Filmtagen. Und manche, die das Kino lieben, wollen irgendwann auch selbst welches machen, so wie „CinemAbstruso“. Die Studentenfilmgruppe um die zwei Brüder Karli und Tilman König gehört seit mittlerweile vier Jahren zu Leipzigs Filmlandschaft. Es gibt nur wenige Filmemacher, die wie sie Low-Budget-Produktionen in Spielfilmlänge machen und außerdem für alle Leute, die mitmachen wollen, offen sind.

Keine Angst vor großen Taten

Ob Märchen, Horror, Porno oder Action - „CinemAbstruso“ haben sich die den verschiedensten Genres ausprobiert. Auch ihr aktuelles Projekt war Neuland. „Jeder flieht für sich“ ist nach Aussage der Macher „ein Film über die Zeit und den Menschen, der in dieser vergeht“ - also nix Massenschlägerei? „Nein, es gibt diesmal wenig extreme Szenen, keinen Sex und keinen Mord“ sagt Tilman. Stattdessen wollten sie diesmal einen realistischen Film machen, „der“, so Karli, „Momentaufnahmen aus dem Leben zeigt“. Hauptfigur Steve führt sein Leben passiv, die Dinge gehen an ihm vorbei, die Tage verstreichen. Es läuft Einiges schief in seinem Leben, aber er schafft es lange nicht, aus seiner Passivität heraustreten und sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Und obwohl eine solche Beschreibung etwas in der Art vermuten lassen könnte, stellt Karli klar, dass der neue Filme kein „sozialer Studentenfilm“ ist und kein Dokumentarfilm.

Sie haben sich beim Drehen diesmal mehr Zeit genommen und vor allem auf Qualität geachtet. So waren erstmals zwei Dekorateurinnen am Set und man hat mit zwei Kameras gedreht. Insgesamt ist die Tatsache, dass Tilman und Karli ihre Ideen oft über die vorhandenen Umstände entwickeln. Zum Beispiel ergab sich die Möglichkeit mit Peter, einem mit 73 Jahren sehr erfahrenen Theaterschauspieler, zusammen zu arbeiten – also wurde für ihn die Rolle des Vaters von Steve geschaffen.

Die Filmmusik wurde wieder von Studenten der Musikhochschule eingespielt. Mit einer Woche Drehzeit (Drehort war Leipzig) und „nur“ 35 Mann im Team ist die Produktion eine der kleineren „CinemAbstruso“. Und was gibt es sonst noch Neues? „CinemAbstruso“ pflegt regen Austausch mit Filmemachern aus Japan. Deshalb wird ein japanischer Film im Sprachunterricht an der Uni untertitelt und es liefen auch schon Filme von „CinemAbstruo“ in Japan. Fernziel ist es nun, zusammen mit japanischen Regisseuren einen Film zu machen – in Japan.

Im Sommersemester 2005 wird es einen Kurzfilm geben, für den es auf der Stura-Vorstellungsstraße ein extra Casting gab, bei dem sich etwa 250 Leute meldeten. Dementsprechend planen Karli und Tilman jetzt eine Massenszene für ihr nächstes Werk.

Doch erstmal steht die Premiere von „Jeder flieht für sich“ bevor. Diesmal gibt es eine Filmnacht, bei der neben dem aktuellen Projekt noch die Directors-Cut-Version vom „Ego-Gen“ und ein Überraschungsfilm gezeigt werden. Es spielen auch wieder zwei Live-Bands.

 

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