Nachts geht es an die Wurzel

student! :: November 2007 :: Anne Hütter

Karl Friedrich und Tilman König veranstalten die Zweite Nacht des Radikalen Films

Die Filme, sie sollen an die Wurzel gehen. Aufrütteln, anpacken, verändern, nicht zu glatt sein. „Cinemabstruso“ lädt am 30. November zur zweiten „Nacht des Radikalen Films“ und die radikalen Filme sind schon da. Zumindest 50 an der Zahl und aus aller Welt hat die Filmgruppe um die Gebrüder Karl- Friedrich und Tilman König zugesandt bekommen. Davon einige aus Japan. „Klar, das haben wir selber angerührt“, so Karl- Friedrich, auch genannt „Karli“. Sein Bruder Tilman studierte Japanologie und das sogar ein Jahr vor Ort. Auch Karl- Friedrich reiste in den fernen Osten, um sich dort mit einem Filmklub anzufreunden. Kommen radikale Filme also nur aus Japan? „Nein, Quatsch. Ein Film kann radikal sein, woher er auch kommt“, so Karli. Das meint, Zelluloid, das Bilder zeigt, welche nicht technisch perfekt, noch auf fernsehgerechte Ausstrahlung pocht oder die Handlung gar in den Hintergrund schiebt. Zu sehen sind die Werke in drei Blöcken. „Wir feilen noch am Konzept, da wir immer noch nicht alle Filme erhalten haben“, so Veranstalter Karli. Denn die Fachmänner fordern auch schon einmal gern persönlich Filme an. Was am Ende davon radikal ist und was nicht, bestimmt die Gruppe. „Deswegen ist es schwer,  ,radikal´ an sich zu definieren. Man muss es sehen“, so der Filmemacher, der zu denen gehörte, die 2004 sogar bei SPIEGEL- Online Furore machten, als sie im Zuge der Leipziger Proteste gegen Studiengebühren einen Softporno mit Namen „ Bildung - Die Hure der Wissenschaft“ drehten(student! berichtete). Auch was Radikales. In Sachsen hat es ja vorerst gegen Studiengebühren geholfen. Da freut er sich auch noch ein bisschen, der Karli, wenn man ihn auf medialen Erfolg von „Cinemabstruso“ anspricht. Ohnehin werden sie auch gerne als Leipzigs „aktivste autonome Filmgruppe“ bezeichnet. „ Dem kann ich nur zustimmen. Als Filmgruppe, die aus Eigeninitiative in Leipzig Filmvorführungen organisiert, sind wir schon einzigartig“, so Karli verhaltend kichernd. Selbstironie ist immer dabei. Deswegen darf und kann und soll man auch am Ende der Nacht des Radikalen Films mit Darstellern, Schauspielern, Kameramännern und Regisseuren diskutieren, die sich am Runden Tisch über Filme austauschen sollen. Darunter sind dann befreundete Regisseure wie Jan Soldat aus Chemnitz oder Karolin Horn aus Jena. „Ich finde es auch wichtig, dass eine Plattform geschaffen wird, um Kontakte zu knüpfen“, so König. Dies sei ja eigentlich Aufgabe der Filmhochschulen, die es aber in Leipzig nicht gibt. Nach dem Erfolg der ersten Nacht des Radikalen Films im Sommer diesen Jahres, als 250 Besucher ins Kulturbundhaus kamen, steht nun das zweite Event dieser Art an. „ Ob wir solche Veranstaltungen jetzt jedes halbe oder jedes ganze Jahr machen, ist unklar“, äußert sich der Organisator. Denn die Vorbereitungen einer solchen wilden Nacht sind sehr umständlich. Filme sichten, einspielen und publikumsgerecht präsentieren ist nämlich mit einigem Aufwand verbunden. Das Ergebnis wird dann am 30. November zu sehen sein. In drei Blöcken, die entweder „experimentell“, „politisch“ oder „aus Leipzig“ sind. Filme wie „Die Gemüse- Schlacht“ oder einen Beitrag zum „Fest der Völker“, einem jährlichen Neonazitreff in Jena haben die Veranstalter bereits für „radikal“ befunden und ausgewählt. Dazwischen bieten „MUD MAHAKA“ aus Leipzig was für die Ohren.

 

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