CinemAbstruso und die Folgen der Leitkultur

student! :: Dezember 2006 :: Kathleen Schlütter

Leipzigs größte freie Filmgruppe präsentiert ihren neuen Film

Mit „Sikumoya der schwarze Nazi“ widmete sich CinemAbstruso, die Filmgruppe um Tilman und Karl-Friedrich (Karli) König diesmal dem Thema Rassismus. Natürlich, der Titel deutet es an, auf ihre ganz eigene, unkonventionelle Weise.

Der neue Film ist eine Groteske, die, wie es Karli beschreibt, „die Absurdität von Rassismus“ zeigen soll. Es ist keine lineare Erzählung sondern eine Collage, in der „durch das bewusste Brechen von Bildern Gefühle erzeugt und Fragen aufgeworfen werden sollen.“

Es geht um den Kongolesen Sikumoya Voigt, der aufgrund verschiedener Ereignisse glaubt, selber ein Nazi zu sein, in die rechtsextreme NPO eintritt und dem Deutschtum im negativen Sinne frönt. Was darauf folgt, kann sich jeder am 14. Dezember im Kulturbundhaus anschauen. Hautdarsteller Doktor Kalemba Mukumadi, ein langjähriger Freund der Familie König, ist in seinem Wohnort Jena Löbeda, öfter zur Zielscheibe rassistischer Angriffe geworden. Doch statt mit Verbitterung nimmt er seine Situation mit Humor: er wolle Martin Luther King oder Adolf Hitler spielen, wenn er mal in einem Film der Brüder mitwirken sollte. „Er ist ein bißchen verrückt“ sagt Karli und grinst. Seine jetzige Rolle hat von beiden etwas, sie vereint, salopp gesagt, schwarze Entschlossenheit mit faschistischem Gedankengut.

Seit nunmehr vier Jahren steht CinemAbstruso für die etwas anderen Filme aus Leipzig. Thematisch sind die Cineasten sehr variabel, wobei sie sich momentan vom trashigen Stil der ersten Jahre entfernen, der noch im „Egogenprojekt“ (student! berichtete) deutlich zu sehen war. Allerdings lehnen die König-Brüder noch immer Drehgenehmigungen für öffentliche Plätze ab. „Sikumoya der schwarze Nazi“ gehört zu den  kleineren Projekten der Gruppe. Der Film ist innerhalb von fünf Monaten entstanden und das Team hatte nur 50 Mitglieder. Kein Vergleich zur Mammut-Produktion „Der weiße See“ des letzten Jahres, einem Märchenfilm, der wesentlich zeit- und arbeitsaufwendiger war. Übrigens gehören die CinemAbstruso-Produktionen zu den so genannten „No-Budget-Filmen“, was sich bei rund 7000 Euro Gesamtbudget von selbst erklärt. Glücklicherweise erhält die als universitäre Arbeitsgemeinschaft eingetragene Gruppe neben den Geldmitteln vom Studentenrat und dem Studentenwerk Leipzig auch noch nichtmonetäre Unterstützung. Sei es vom örtlichen Bäcker, der die Drehteam-Verpflegung übernahm oder vom Trödel-Händler, der ihnen Deko-Objekte schenkte. Der neue Film wurde ausschließlich in Leipzig gedreht, wo das Team auch mehrmals in Kontakt mit der lokalen Polizei kam. Besorgte Bürger hatten die Beamten gerufen, im Glauben, Rechtsextreme machten Jagd auf einen Ausländer. Interessant ist auch, dass die Dialoge improvisiert wurden, um Mukumadis Deutsch authentischer zu machen – der auswendig gelernte Text klang hölzern und das sollte vermieden werden.

Die Absurdität von Rassismus

Eine professionelle Steigerung brachte der Kauf einer HD-Kamera, die eine höhere Auflösung hat und damit Bilder macht, die der Kinoqualität sehr nahe kommen. Fernziel ist weiterhin die Gründung einer eigenen Produktionsfirma, Tilman ist mittlerweile schon beruflich in der Filmbranche tätig. CinemAbstruso-Filme werden demnächst zum Beispiel im Dachkino Steinstraße, im Kulturzentrum Wurzen und vielleicht im Prager Frühling zu sehen sein. Denn, wie Karli es ausdrückt: „Wir möchten in Leipzig mehr Präsenz zeigen.“

 

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