Menschenhasser auf der Leinwand

student! :: Dezember 2003 :: Anne Hüttner + Melanie Hühn

Bis zum 14. Lebensjahr ohne Fernseher auszukommen mag für manche Höchtsqualen bedeuten. Tilman und Karl-Friedrich König dagegen schöpften ihre Kreativität gerade aus diesem Umstand, wie sie heute sagen. „Als wir endlich einen Apparat bekamen, hatten wir längst eine eigene Betrachtungsweise ent­wickelt", so die Brüder. Maßgeblich dafür waren die zahlreichen Besu­che in den Kinos. So wollten die Ge­schwister bald selbst eigene Filme drehen.

Seit vier Jahren gibt es nun „CinemAbstruso", eine studentische Filmgruppe, deren Kern sich um die beiden 21- und 24-jährigen Brüder und Gert Adelski scharrt. Während Karl-Friedrich emsig an Drehbüchern über Macht, Liebe und Gesellschaft arbeitet, versucht Tilmann eben diese Themen in der Regie umzu­setzen. Gert arbeitet derweil an Bühnenbauten. Die Gruppe hat mittlerweile zwei Spielfilme, meh­rere Kurzfilme und Musikvideos ver­öffentlicht. „Bertholt4" heimste vor einem Jahr sogar den zweiten Platz beim „Evangelischen Jugendfes­tival" in Jena ein.

Auch in diesem Jahr hat sich die Gruppe mit „Hans im Glück" bei vier weiteren Low-Budget-Filmfestivals beworben. Rund 150 Leute haben an den Projekten mitgearbeitet, fast alles Autodidakten und Laienkünstler. Die Stücke werden vom Studentlnnenrat (StuRa) unterstützt, sind aber größtenteils selbst finanziert. Den Kern bei den Projekten bilden ein gelernter Kameramann, ein Tontechniker, Regisseur, Drehbuchautor und Musikstudenten. Außerdem werden bei „CinemAbstruso" ständig Leute gesucht, die Lust und ein wenig Talent mitbringen.

Interessant ist der japanische Touch der Filme. Tilmann, der im siebten Semester Japanologie stu­diert, hat im Freundeskreis viele ja­panische Studenten, die in und an den Filmen mitwirken. So hat der neueste Film „Der Misanthrop" ein paar deutsche Untertitel; ange­strebt werden für die nächsten Fil­me die komplette Untertitelung in japanisch, da die Gruppe auch in­ternationalen Filmprojekten gege­nüber nicht abgeneigt ist.

Der neue Streifen ist schon fast fertig. „Der Misanthrop" feiert am 4. Dezember seine Premiere. Nach dem Vorbild Fassbinder ist ein ele­ganter schwarz-weiß Film im rea­listischen Stil mit abstrusen Ele­menten entstanden. Der Hauptdar­steller, Student und eigentlich seine Umwelt liebend, wird durch unum­gängliche Einflüsse zum Menschen­hasser und Mörder. „Der Misan­throp" ist ein realistisches und gleichzeitig abstruses Low-Budget­Werk, an dem wirklich alles orginal ist - die Kulissen, die Texte, ja sogar die Musik ist selbst gebastelt.

 

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