Radikale Nächte in L.E.

FRIZZ - Das Magazin für Leipzig :: Januar 2008 :: Stefan Geißler

Interview mit Festivalkoordinator Karl-Friedrich König:

Wie kommt man zur Idee einer Filmnacht?

Ein solches Festival fehlte bisher in Leipzig. Es wurde höchste Zeit.

Warum der Name „Radikale Filmnacht"?

Wir wollten weg vorn Glamour und hin zum Low-Budget. Da sprang uns der Name entgegen.

Weshalb gibt es eigentlich keine Preise zu gewinnen?

Die Filme sollen im Mittelpunkt stehen. Wir müssen sie nicht auf­peppen. Hier geht es um Inhalt, nicht. um Form.

Was wollt ihr mit Eurer Filmnacht schlussendlich erreichen?

Wir möchten zum Nachdenken anregen. Die Menschen sollen des Öfteren ihren Kopf benutzen.

 

Am 30. November war es wieder einmal soweit. Die „2. Nacht des Radikalen Films" im Kulturbundhaus entpuppte sich weniger als Geheimtipp, sondern viel mehr als ein gut besuchtes Szene-Ereignis, das 300 Kulturwillige anzog. Die studentische Leipziger Filmgruppe „CinemaAbstruso" — um die Brüder Tilman und Karl-Fried­rich König — die letztes Jahr durch das Filmprojekt „Sikumoya — Der schwarze Nazi", eine Groteske über Anti­semitismus, auf sich aufmerksam gemacht haben, sind die Veranstalter dieses etwas anderen Filmfestivals.

Die Lichter erloschen und mit einer charmant naiven Leichtigkeit begrüßte der Moderator das Publikum. Er erklärte den Ursprung des Begriffes „radikal" (Wurzel, Ur­sprung) und schmückte im weite­ren Verlauf seine Ausführungen über die Filmschaffenden auffal­lend oft mit Begriffen wie „ambitio­niert" und „improvisiert". Die At­mosphäre war erwartungsfroh und unverkrampft, ohne den sonst so bei Filmfestivals obligatorischen, überwichtigen Pathos.

Aus über 50 eingesandten Fil­men aus vier Ländern wurden elf Beiträge während der „2. Nacht des radikalen Films" gezeigt, wobei die Dauer pro Film zwischen drei Minuten und einer halben Stunde variierte. Wechselhaft waren auch die Beiträge, von aufgesetzt künst­lerisch bis nachhaltig beeindru­ckend.

In einer bunten Mischung wurden soziale und politische Doku­mentationen, Animationsfilme, Musikvideos, normale Fiktionen und  Experimentalfilme präsen­tiert. Geplant sind in halbjährigen Abständen weitere Festivals folgen zu lassen, wobei der nächste Ter­min für die „3. Nacht" - am 25. April 2008 - schon feststeht.

Laut den Veranstaltern liegen rein subjektive Kriterien für die Auswahl an Filmen zu Grunde. An­statt auf die Form wird der Fokus vor allem auf den Inhalt der Werke gerichtet. So kommt es bei den gezeigten Filmen bisweilen vor, dass sie verwackelt oder auch ver­rauscht sind. Leipziger Filmschaf­fende werden bei der Auswahl be­sonders berücksichtigt, so dass sich jeder ambitionierte lokale Künstler dazu aufgerufen fühlen darf, eine Bewerbung für die näch­ste Filmnacht einzureichen. Mögli­cherweise kann so ja einer hoff­nungsvollen Karriere auf die Sprünge geholfen werden.

Eine bei cineastischen Festivals übliche Jury oder gar Preisverlei­hungen gibt es nicht. Hier wird sich keiner der Jungregisseure mit einer feschen Statue in der Hand tränenreich bei Publikum, Familie, Filmteam und dem Reinigungsper­sonal bedanken. Stattdessen saßen die Künstler am runden Tisch und gaben dem interessierten Publi­kum Einblicke in ihre Gedanken­welt.

Das Publikum bedachte beson­ders wohlwollend die „Psycho"- Hommage „Runs - Killerbrötchen auf dein Frühstückstisch", den ori­ginell animierten japanischen Film „Gaki", sowie die unterhaltsame Dokumentation über die jährlich stattfindende Leipziger Gemüse­schlacht zwischen Connewitz und Plagwitz auf dem Schleußiger Weg. (Mehr davon!)

Nach zweieinhalb Stunden gin­gen die Lichter wieder an und zur Aftershowparty übernahm - ge­treu zum Leitgedanken passend - die Experimental-Combo namens "Mud Mahaka" das Unterhaltungs­programm. Man zerstreute sich, kritisierte und lobte, um schließ­lich mit dem Gefühl nach Hause gegangen zu sein, etwas wahrhaft Ungewöhnliches erlebt zu haben.

 

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