Hinterhof-Blues

Auslöser - Informationsblatt des Filmverbandes Sachsen e.V.:: Februar 2009 :: Babette Pohle

Nach ihrem Independent-Erfolg „Sikumoya der schwarze Nazi“ hat sich die 2002 gegründete Leipziger Filmgruppe Cinemabstruso eine Auszeit von zwei Jahren genommen. Und zurückgekehrt von einem Dokumentarfilm-Ausflug nach Japan im letzten Jahr feiert nun im Juni der neue Langspielfilm Premiere. Buch und Regie übernahmen die bekennenden Trier, Cassavetes und Tarkowsky - Liebhaber Tilman König und Karl-Friedrich König.

Ein Hinterhof - mittendrin eine Badewanne, daneben ein Schlagzeug und ein Zirkuswagen. Kai, Matthäus und Hundt sind wahlarbeitslos und leben im unsanierten Mietshaus, welches Kais Vaters gehört.

Matthäus, ein in die Jahre gekommener Künstler, baut Skulpturen aus Styropor im Hinterhof. Hundt macht Musik und Kai hat seine politischen Ansichten. Aufgestockt wird das Kapital der Drei durch Fahrraddiebstahl und kleine Einbrüche. Selbstbestimmt wollen sie leben - das gemeinsame Ziel ein Künstlercafé im Hof. Und klappt es damit nicht in diesem Jahr, dann eben im Nächsten.

Natürlich ist alles viel komplizierter und das kaum vermietete Haus ist mit einer Hypothek belastet. Finanzberater Hartmann macht ernst, die Bank will ihr Geld – 16000€ in zwei Wochen oder das Gelände wird geräumt. Klar, für Kai ist allein das System schuld! Aber ist es so einfach? Was tun wenn die Realität in das Leben hereinbricht?

Sich anpassen oder den Traum irgendwie leben, wenn auch am Existenzminimum und in Selbstausbeutung?

„Hinterhof-Blues“ reflektiert über ein Milieu am Rand des gefeierten Kulturbetriebs, temporär sesshaft in einem problematischen Teil der Stadt, irgendwo zwischen Zentrum und Ausfahrtsstrasse. Das Viertel ist gezeichnet vom Leerstand ganzer Häuser und seiner weitestgehend desillusionierten Rest-Bevölkerung. Doch Leerstand kann auch Platz für kreativen Freiraum bedeuten – Galerien, Künstlerkommunen und alternative Kneipen – in den letzten Jahren ist einiges in Bewegung gekommen. Aber wie beständig sind diese aus einer Krise entstandenen Freiräume?

Gedreht wurde auf dem Gelände des „Nachbarschaftsgärten e.V.“ im Leipziger Stadtteil Lindenau – ein Stadtteil dessen derzeitige Situation dem im Film beschriebenen Milieu relativ nahe kommt. Das cirka 40 Personen umfassende Team benötigte 13 Drehtage im Sommer 2008 und noch einmal 4 Tage Nachdreh im Frühling 2009 um den Film fertig zu stellen.

Die Rollen sind mit professionellen Schauspielern sowie Schauspielstudenten der Leipziger Hochschule besetzt.

Obwohl mit minimalem Budget von unter 10000€ ausgestattet, konnte die Produktion durch das Filmnetzwerk Cinemabstruso realisiert werden. Unterstützt von diversen Vereinen und regionalen Firmen durch Sachspenden und Logistik, aber auch von der Chemnitzer Filmgruppe Multi-Arts Film durch drei Crewmitglieder wurde kreativ und professionell gearbeitet. Die begrenzte Drehzeit, zwei von Schulter geführte HD-Kameras ausgestattet mit 35mm Adaptern, so wenig künstliches Licht wie nötig sowie der besondere Schauplatz geben dem Film eine eigene Ästhetik. Die Leipziger Blues-Band „Erik and the New Hats“ spielte den Soundtrack ein.

 

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