Radikal, unabhängig und trotzdem noch da!

Auslöser - Informationsblatt des Filmverbandes Sachsen e.V.:: Oktober 2010 :: Andreas Klapp

 

Die „Nacht des radikalen Films“ feiert fünfjähriges Jubiläum.

 

Independent-Filmmacher gründen ein eigenes Festival, kann das funktionieren? Allem Anschein nach: Ja. Denn Anfang Dezember feiert die Leipziger Filmgruppe „Cinemabstruso“ das fünfjährige Jubiläum ihres Filmfestivals „Nacht des radikalen Films“ und expandiert auf zwei Tage.

Die Filmemacher Tilman und Karl-Friedrich König, Gründer von „Cinemabstruso“, die sich durch Produktionen wie „Sikumoya – Der schwarze Nazi“ oder „Hinterhofblues“ einen Namen gemacht haben, kamen 2006 erstmals auf die Idee, ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen. Grundlegender Antrieb war es dabei unkonventionelle Filmproduktionen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 10-15 Filme aus den Bereichen Fiktion, Dokumentation, Animation und Experimentalfilm werden seitdem jedes Jahr gezeigt.

Aber warum ein weiteres Festival für Kurzfilme, wenn es in Leipzig bereits rund zehn gibt? Als Alternative versteht sich die „Nacht des radikalen Films“, so die Organisatoren. Künstlerische Normierung sei es, die bei vielen anderen Festivals zu einer Fokussierung auf technische Perfektion und Erfüllung dramaturgischer Standards führe. Hier aber zählt anderes: Radikalität! Die Veranstalter beschreiben dies mit dem Wort „Dringlichkeit“. Man soll dem Film anmerken, dass der Regisseur genau diesen Film drehen musste. Wichtig ist aber auch, dass die Beiträge auf inhaltlich-formaler Ebene neue Ausdrucksmöglichkeiten nutzen oder politische Themen in ihren Grundlagen fassen.

Und dieses Konzept kommt an. Seit dem ersten Jahr gibt es viel Zuspruch für die Leipziger. Das Publikum, das sich vor allem aus Studenten und Leuten aus der Filmbranche zusammensetzt, diskutiert teilweise recht kontrovers über das Gesehene. Immer mit dabei sind die Filmemacher und die Organisatoren des Festivals. „Seit dem ersten Jahr versuchen wir die Distanz zwischen Publikum und Filmschaffenden so gering wie möglich zu halten“ so König. Dazu beitragen soll der „Runde Tisch“, an dem Professionelle und Laien miteinander ins Gespräch kommen. Dadurch entsteht ein Zusammenkommen, das über reines Filmschauen hinausgeht und so die Zuschauer animiert, sich intensiver mit Film und Gesellschaft auseinanderzusetzen.

Zum fünften Jubiläum gibt es jedoch auch Neuerungen und Erweiterungen des Konzeptes. Erstmalig wird die „goldene Linse“ an einen der Wettbewerbsfilme verliehen. Wobei die anwesenden Regisseure in öffentlicher Diskussion selbst den Gewinner bestimmen. Neu ist auch die Podiumsdiskussion zum Thema „Zukunft des Independent-Films am Beispiel Leipzig West“, bei der zwei Filmemacher, ein Kinobetreiber und ein Filmkritiker miteinander ins Gespräch kommen sollen. Am zweiten Abend wird es außerdem das „Open Screening Leipzig West“ geben. Das heißt, jeder kann hier seinen eigenproduzierten Film ohne Voranmeldung mitbringen und ihn dem Publikum vorstellen.

König legt jedoch Wert darauf, dass es sich trotz Fokussierung auf Mitteldeutschland um ein internationales Festival handelt: so sind im letzten Jahr über hundert Filme aus der ganzen Welt eingereicht worden, von Tokio bis New York, aber auch aus Russland und Südamerika.

Für die Zukunft wünschen sich die Veranstalter öffentlichkeitswirksame „Zugpferde“, die sowohl eine Jury als auch jede Podiumsdiskussion bereichern könnten. So überlegen die Veranstalter, im nächsten Jahr einen Independent-Filmemacher Marke Klaus Lemke einzuladen, der das Festival bekannter machen könnte.

In jedem Fall gilt: Mit Kontroversen zum Nachdenken anregen bleibt weiterhin wichtigstes Anliegen der „Nacht des radikalen Films“.

 

„Nacht des radikalen Films“ im Lindenfels Westflügel in Leipzig

3. Dezember 20.00 Uhr: Internationaler Wettbewerb

4. Dezember 19.00 Uhr: Podiumsdiskussion; 20.30 Uhr: Open Screening

Infos: www.cinemabstruso.de

 

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