Grenzwertig schräges Filmmaterial

Kreuzer Online :: 6. Dezember 2010 :: Hendrik Schäfer

Die Filmgruppe »Cinemabstruso« präsentierte ihre 5. Nacht des radikalen Films

»Grenzwertig«, hörte man einige im Publikum nach einzelnen Filmen murmeln. In der Tat waren mit Sodomie und selbstverletzendem Verhalten einige schwer verdauliche Themen in der Filmrolle des Internationalen Wettbewerbs am Freitag im Westflügel der Schaubühne Lindenfels vertreten. Ausschlaggebend für die Auswahl der Filme für den Wettbewerb, so Karl-Friedrich König vom Organisator Cinemabstruso, sei eine »Dringlichkeit«, die man im Film erkennen müsse. Man solle dem Film ansehen, dass er gemacht werden musste. Außerdem brauche der Film ein radikales Element: »Radikalität bedeutet, dass auf inhaltlicher oder formaler Ebene etwas Neues gezeigt wird«, sagt Karl-Friedrich König. Anhand dieser Prämissen hat die Jury aus über 100 Einsendungen letztendlich 16 Filme für den Wettbewerb ausgewählt, von denen ein Viertel aus dem Ausland stammt.

Die Fotografin Natalia Bougai verzichtet in ihrem Film »d wie dora« vollständig auf Bilder. »Ich dachte, ich kann den Bildern nichts mehr hinzufügen«, sagt sie. Ihre Arbeit besteht aus Texten von Häftlingen aus Vernichtungslagern, die sie aus Tagebüchern, autobiographischen Romanen, Notizen und Briefen zusammengetragen hat. Nora Frohmann filmt sich nackt in einer einzigen Einstellung. Der Zuschauer sieht, wie sie sich sechseinhalb Minuten lang mit einer Rasierklinge »handle with care« in den Oberkörper ritzt. In dem Experimentalfilm »Die tägliche Beklemmung« montiert der Wiener Christoph Freidhöfer verschiedene Fernsehbericht-Sequenzen des ORF zu einer Nonsense-Meldung.

Nachdem die anwesenden Filmemacher am Freitagabend jeweils einen Plus- und einen Minuspunkt an ihre Konkurrenten vergeben konnten, steht als Gewinner der Goldenen Linse 2010 der Dokumentarfilm »Geliebt« von Jan Soldat fest. Soldat, der Student an der HFF Potsdam ist, beschreibt seinen Film, der eine Männer-WG und deren sexuelles Verhältnis zu ihren Hunden thematisiert, als eine Mischung aus Dokumentation und Inszenierung. Dies stelle für ihn keinen Widerspruch dar.

Am Samstag wurden elf eingereichte Filme gezeigt, ohne dass diese vorher gesichtet worden wären. Der Publikumspreis dieses Open Screenings ging an Yvonne Reuthers Experimentalfilm „Unterwegs“, der sich mit der Wahrnehmung und der künstlerischen Veränderung der Umwelt befasst.

Der Cineart e.V. verleiht nach einem Jahr Pause in diesem Jahr den mit 1500 Euro dotierten Sommerfilmpreis, der an den KMW-Studenten Dirk Sommer erinnern soll. Er war während der Dreharbeiten zu einem Film ums Leben gekommen. Dieser Preis für das beste Konzept eines Dokumentarfilms geht an Robert Beske. Sein Film soll von einem Mann handeln, der in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde und dort zu schreiben angefangen hat. Seine Texte erinnern Robert Beske an die surrealistische Literatur Frankreichs. Nun will er die Texte in Film-Bilder umsetzen und mit dem Surrealismus in Paris verknüpfen. „Die von Beske mit eingereichten Bilder waren letztlich ausschlaggebend für die Wahl“, erklärt Tilman König, einer der Juroren.

Die Filmrolle des Internationalen Wettbewerbs des Radikalen Films wird am 7. Dezember um 20 Uhr nochmals im LURU-Kino in der Spinnereistraße 7 gezeigt. Hendrik Schäfer

 

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