Ist die Kohle weg, wird es Ernst

FRIZZ - Das Magazin für Leipzig :: Juni 2009 :: Stefan Geißler


Ein Hinterhof – mittendrin eine Badewanne, daneben ein Schlagzeug und ein Zirkuswagen.
Man hat sich gemütlich eingerichtet und baut Skulpturen, man macht Musik und hat seine Politischen Ansichten. Man wähnt sich sicher im eigenen Alternaiven Biotop.
Doch dann zieht einem die Raue Brutalität den Boden unter den Füssen weg.
Die Bank will geliehenes Geld wiederhaben oder das Gelände wird geräumt.
Allen ist klar dass das System daran schuld ist. Aber ist es wirklich so einfach?
Ein jeder von und hat sich bestimmt schon einmal ausgemalt, wie es wäre wenn man einen eigenen Film drehen würde.
Diesen Schritt dann aber auch zu gehen, wagen dann aber auch nur die wenigsten.
Zwei jener forschen Köpfe sind die Brüder Karl-Friedrich und Tilman König,
die im Jahre 2001 die Filmgruppe ‚’Cinemabstruso’’ gründeten.
Im laufe der Jahre drehten sie bisher Sieben Spielfilme, welche anfangs im Familiären Kreis entstanden. Und schließlich zu ausgewachsenen Professionellen Produktionen wurden.
In Leipzig haben sich die Brüder inzwischen mit der Groteske ‚’Sikumoya – der schwarze Nazi’’ einen Namen gemacht und können außerdem weltweite Aufführungen und Auszeichnungen vorweisen. Jetzt steht wieder ein Film vor der Veröffentlichung und wir haben einen Blick hinein riskiert. Das neueste Werk der Filmgruppe hat am 18. Juni  im UT Connewitz  mit den Systemkritischen Roadmovie ‚’Hinterhof-Blues’’ Premiere.
Wie auch in den vorhergehenden Filmen sich die Filmemacher an den klassischen Dogma-Filmen, ohne sich aber sklavisch an deren Regeln zu klammern.
Mehr als 50 teils professionelle Schauspieler, Techniker und Mitwirkende konnten diesmal wieder für das Projekt gewonnen werden. Und diesen Aufwand sieht man dem Film auch an.
Inzwischen braucht sich die Filmgruppe hinter professionellen Fernsehproduktionen nicht mehr zu verstecken. So ist nun noch zu klären ob die eigentliche Geschichte genügend Potential bietet. Im Film geht es um die alte Frage, was wir aus dem gegeben Leben machen sollen. Die Protagonisten in der dargestellten Geschichte, richten dabei ihr eigenes Biotop in einem verlassenen Hinterhof, umgeben von leer stehenden Leipziger Häusern, und verweigern sich dabei bewusst der sozialen Eingliederung in die Gesellschaft.
So leben sie wahlarbeitslos mit abgebrochenen Studiengängen in einem alten Zirkuswagen und gehen ihrem alternativem leben nach.
Doch bald tauchen die ersten drohenden Schatten im gemütlich eingerichteten Biotop auf.
Verdrängte wirtschaftliche und soziale Nöte treten in den Vordergund.
Und die Situation droht zu eskalieren. Letztendlich geht es in Hinterhof-Blues um die persönliche Verantwortung des Einzelnen für sein leben. Es wird darin thematisiert, wird die Schuld für gescheiterte soziale Lebensumstände in unserer Gesellschaft trägt.
Der Kapitalismus und die Globalisierung lassen Menschen unter uns zurück.
Die sich diesem System verweigern und daran scheitern.
Hierbei gibt der Film glücklicherweise kein moralisches Paradigma vor, sondern steht ganz bewusst auf moralische Grauzonen. So sind die handelnden Figuren weder ausschliesslich Negativ noch Positiv.in ihrer Charakterisierung besetzt. Es wird allein den Zuschauer überlassen, die komplizierten Situationen moralisch zu bewerten. Außerdem ist der Film eine Liebeserklärung an das alternative leben. Mit seinen Ateliers und Kneipen in den Hinterhöfen und dieser ganz eigenen Kunst. Die Sorge ist aber auch in dem Werk zu spüren, dass dieser künstlerische Freiraum durch den wachsenden Freiraum zum Mainstream werden könnte
Und sich dadurch schließlich selbst zerstört. Und wie geht es nach der Premiere von
Hinterhof – Blues mit der Filmgruppe Cinemabstruso weiter ?
Neben einigen Auftragsarbeiten soll nächstes Jahr ein noch größerer Film produziert werden.
Dabei wollen die Filmschaffenden aber aufpassen, dass sie selbst nicht in den kritisch beäugten Mainstream abrutschen. Andererseits, wie sagte der Regiesseur von Hinterhof- Blues Karl-Friedrich König kürzlich >
Auch Mainstram kann ziemlich Cool sein.


 

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