Filmvorstellung „Hinterhof-Blues“

student! :: Juni 2009 :: Stefanie Seidel

Matthäus sitzt Kais Vater gegenüber: „Welche Möglichkeiten hast du noch an Geld zu kommen?“ fragt er leise. „Tjach, immer nur Geld, Geld, Geld. Weißte“, der Mann macht eine Pause: „Ich bin froh wenn ich die Hütte nicht mehr habe“, murmelt er mit rauer Stimme vor sich hin.

Probleme haben auch Matthäus, Kai und Hundt. Das alte Mietshaus, das Kais Vater gehört und mit einer Hypothek belastet ist, ist Dreh- und Angelpunkt im Leben der drei. Hier wollen sie zusammen ein Künstler-Café aufbauen, hier verleben sie ihren Alltag und ihre Freizeit. Dann kommt die Bank und will ihr Geld: 16.000 Euro in zwei Wochen. Wenn sie das Geld nicht besorgen können, wird das Gelände geräumt.

Tilman und Karl-Friedrich Königs neuer Film „Hinterhof-Blues“ erzählt die Geschichte mehrerer Menschen, die in einem problematischen Viertel zwischen Stadtzentrum und Ausfahrtstraße wohnen, am Rande des gefeierten Kulturbetriebes. Matthäus, der Protagonist, ist ein in die Jahre gekommener Künstler, der endlich im Leben Fuß fassen will, der sich mit seiner Kunst etablieren möchte. Im Hinterhof des Mietshauses wohnt er in einem Zirkuswagen und baut Skulpturen aus Styropor. So wie Kai und Hundt ist auch er wahlarbeitslos. Hundt, Blues- und Jazzmusiker, spielt in verschiedenen Bands und Kai hat sein Studium abgebrochen, verachtet die Oberflächlichkeit der modernen Gesellschaft. Nebenbei bereiten die drei ihren Lebensunterhalt durch gelegentliche Fahrraddiebstähle und kleinere Einbrüche. Dabei vertreten sie eine ganz eigene Moral. Genommen wird von denen, die es ihrer Meinung nach auch entbehren können.

Kai und Hundt sind jünger als Matthäus, leben noch mehr in den Tag. Sie gehen das Projekt Künstler-Café locker an. Matthäus kann sich die Sorglosigkeit nicht mehr leisten, für ihn ist das Café existenziell. Er ist derjenige, der versucht das Projekt voranzutreiben und mit der Zeit immer weniger Kompromisse findet, da er um die Realisierung bangt.

Der film spielt zur Hälfte auf dem Hinterhof. „Dadurch kommt eine sommerliche, freie und selbstbestimmte Atmosphäre zum Tragen“, erzählt Karl-Friedrich König zur Stimmung des Films. Gedreht wurde auf dem Gelände des „Nachbarschaftsgärten e.V.“ in Leipzig Lindenau.

Stilistisch geprägt ist „Hinterhof-Blues“ durch das Vorbild Cassavetes, dem geistigen Vater des amerikanischen Independent-Films, Die filmeigene, raue Ästhetik kommt durch den Dreh mit schultergeführten HD-Handkameras zustande: „Die Qualität, die wir mit den 35mm- Adaptern erreichen, kommt denen der Zelluloid-Filme ziemlich nahe“, berichtet König. Charakteristisch ist wenig künstliches Licht und, dass vom Drehbuch weg auch einmal improvisiert wurde. So stehen Schauspieler mehr im Vordergrund.

„Die Hauptthemen des Films sind, wie man selbstbestimmt leben kann, sich Freiräume im Alltag erarbeitet und in welchem Spannungsverhältnissen dies zur Gesellschaft steht“, erklärt König. Das Viertel, in dem die drei Hauptfiguren leben, ist vom Leerstand ganzer Häuser gekennzeichnet. Doch nLeerstand kann auch Platz für kreativen Freiraum bedeuten, wie beispielsweise für Künstlerkommunen. Aber wie beständig sind diese Freiräume?

Die Zuschauer erwartet ein Schauspiel, das neben der sommerlich leichten Atmosphäre auch von dem im Leben schwermütige Tiefen der auftretenden Menschen durchzogen ist. Die Filmmusik passend zum Titel stammt von der Leipziger Blues-Band „Erik and the New Hats“.

 

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