O Brother, Where Art Thou?

Kreuzer - Das Leipzig Magazin :: Dezember 2006 :: Jörn Seidel

Als Initiative Cinemabstruso machen die Brüder König seit vier Jahren Filme – ihr neuer: „Sikumoya der schwarze Nazi“.

Ob bei den Brüdern Lumière, Dardenne, Kaurismäki oder Coen – Geschwisterbeziehungen haben sich schon manches Mal als fruchtbare Basis fürs Filmschaffen erwiesen. Bei den Brüdern Tilman und Karl-Friedrich König ist das ähnlich. Vor fünf Jahren haben sie ihre Filminitiative Cinemabstruso gegründet und seitdem vor allem Langspielfilme auf die Beine gestellt, die erfolgreich auf kleineren Festivals laufen. „Sikumoya der schwarze Nazi“ ist bereits ihr siebter und feiert im Dezember Premiere.

„Angefangen hat alles damit, dass wir damals keinen Fernseher hatten“, erzählt Tilman. „Also gingen wir mit unserer Muter in Jena zweimal in der Woche ins Kino.“ Bald entdeckten beide die Filme Rainer Werner Fassbinders. „Wie er und Lars von Trier wollen wir ehrliche, authentische Charaktere zeigen“, sagt der 27-jährige, der wie sein Bruder in Leipzig auf Magister studiert.

Cinemabstruso ist immer auf der Suche nach Verstärkung. Am letzten Fim, „Der weiße See“, waren hundert Leute beteiligt: Schauspieler oder Crewmitglieder für Kamera, Aufnahmeleitung, Schnitt, Requisite, Maske, Ton oder Licht. Drehbuch und Regie übernehmen die Brüder selbst. Die meisten sind Studenten von der Uni und HGB, einige sind Professionelle. Manch Schauspieler reisen zum Dreh aus ganz Deutschland a. Honorar gibt es keines, nur die Fahrtkosten werden erstattet. Das Budget von zuletzt 5000 € stammt größtenteils vom Studentenwerk und StuRa, dem Cinemabstruso als Arbeitsgemeinschaft angegliedert ist und für den sie kleinere Filmaufträge erledigen.

In ihren Filmen geht es um christliche Taliban, Misanthropen, Ego-Gene und sagenumwobene Seen. Ihr neuer erzählt von einem Kongolesen, der mit einem Einbürgerungstest zu kämpfen hat und später mit Neonazis, bevor er schließlich selbst zu einem wird: „Sikumoya der schwarze Nazi“. Der Hauptdarsteller Kalemba Mukumadi ist Journalist und anerkannter politischer Flüchtling as dem Kongo. Er lebt in Jena und hat dort schon selbst böser Erfahrungen mit Rechtsradikalen gemacht. „Kalemba sagte immer, er würde nur zwei Rollen spielen: Martin Luther oder Adolf Hitler. So haben wir ihn gewinnen können“, erzählt der 24-jährige „Karli“.

Abstruse Ideen haben die König-Brüder noch viele auf Lager. Deshalb wollen sie Filme später am liebsten im großen Stil machen. Sie stehen aber dazu, dass ihre Produktionen noch handwerkliche Schwächen haben. Denn aus der Geldnot haben sie eine Tugend gemacht. Vielleicht sollten sie einfach den Regiestuhl der Wachowski-Brüder einnehmen. Verheißungsvoller als „Matrix 4“ klingt „Schwarzer Nazi“ allemal.

 

 

+++ NEWS +++ NEWS +++

DER SCHWARZE NAZI 26.7. Open...

DER SCHWARZE NAZI am 26.7. um 21.30 Uhr Open Air in der Filmarena in Jena