Leben zwischen Traum und Trauma

Leipziger Volkszeitung :: Juni 2009 :: Frank Schubert

Nach der ziemlich ernsten Groteske „Sikumoya -der schwarze Nazi“ wollte die Leipziger Filmgruppe Cinemabstruso um die Brüder Tilman und Karl-Friedrich König zur Abwechslung einen Roadmovie drehen. Doch das hätte das schmale Budget der kleinen Filmgruppe gesprengt, das seit 2002 mit viel Enthusiasmus ungewöhnliche Projekte auf die Beine stellt. Nach zwei Jahren Pause und einem Dokumentarfilm-Ausflug nach Japan meldet sich Cinemabstruso wieder zurück. Ein bisschen On-The-Road-Feeling hat sich doch noch in ihrem neuen Film „Hinterhof-blues“ geschlichen, der heute im UT Connewitz Premiere feiert. Und das, obwohl der Bauwagen, den Hauptfigur Matthäus bewohnt, den besagten Hinterhof nie verlässt.

Zusammen mit seinen „wahlarbeitslosen“ Freunden Kai und Hundt will der Styropor-Bildhauer hier ein Künstlercafé etablieren. Ihren Lebensunterhalt bestreiten die drei einstweilen mit Fahrraddiebstählen und kleinen Einbrüchen. Auf diese weise lassen sich aber kaum die 16 000 Euro auftreiben, die die Bank auf einmal für das alte, unsanierte Mietshaus einfordert. Die kaum vermietete Immobilie von Kais Vater ist mit einer Hypothek belastet. Bedeutet das Trauma das Ende des schönen Traums vom selbstbestimmten freien Leben?

Karl-Friedrich und Tilman König, die wieder Drehbuch geschrieben und Regie geführt haben, kennen viele solcher Lebenskünstler, die sich auf der Suche nach Freiräumen mehr schlecht als recht durchschlagen. Sie wohnen selbst in einem Wächterhaus im Leipziger Westen. Den Matthäus gibt der Berliner Sänger Sky Romica, der vor sieben Jahren mit dem Titel „I can see it in your eyes“ für einen Moment in den deutschen Top 10 war. Inzwischen bessert er sich seine Kasse auf dem Trödelmarkt auf.

Gedreht wurde der knapp 80-minütige Streifen im vergangenen Sommer an 13 Tagen auf dem Gelände der Nachbarschaftsgärten in Lindenau, ein adäquater Ort für Atmosphäre und Plot. „Hinterhofblues“ spiegelt ein Milieu am Rande des etablierten Kulturbetriebs. Das Viertel im Film ist gezeichnet vom Leerstand ganzer Häuser und seiner weitgehend desillusionierten Rest-Bevölkerung.

Um den Film zu komplettieren, folgten im vergangenen April vier Nachdreh-Tage, dann war alles im Kasten. Das vergleichsweise lächerliche Budget von unter 10 000 Euro wurde durch Sachspenden und Logistik von diversen Vereinen und regionalen Firmen ermöglicht, außerdem durch drei Crewmitglieder von der Chemnitzer Filmgruppe Multi-Arts Film.

Für den angestrebten amerikanischen Independent-Look haben zwei von Schulter geführte HD-Kameras mit 35-Millimeter-Adapter gesorgt. Die musikalische Untermalung stammt von Erik & The New Hats, die vor allem im Geyserhaus in Eutritzsch regelmäßig auftreten. Das Leipziger Blues-Trio spielt heute und morgen im Anschluss an die Premiere live im Saal des UT Connewitz.

 

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